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Konzept

Bühnenkunst – Das Tagebuch der Anne Frank

Ausgangssituation

Idee war, einen Raum zu schaffen, der die unerträgliche Grenzsituation der Untergetauchten emotional nach außen transportiert. Die vorherrschende Angst und Ungewissheit des Überlebens. Ein Vegetieren im Versteck, das letzt endlich zum eigenen Gefängnis wurde.

Konzeptionelle Umsetzung der Bühnenarchitektur

Der Dachboden der als Versteck diente, wurde von mir als abstrahierter Dachstuhl umgesetzt. Sichtbeton und Stahlelemente als kühle, unwohnliche, den Bühnenraum dominierende Architekturelemente. Ein im Bühnenraum zentrierter, massiver Betonpfeiler markierte das nicht begehbare Zentrum der 8 sternförmig angelegten Spielebenen.
Absicht war, eine Disharmonie durch ein nicht vorhandenes bzw. verstelltes Zentrum zu schaffen. Ein massiver Keil der sich trennend in das Geschehen eingräbt oder das bereits Geschehene nicht vergessen lässt. Auch Versinnbildlichung eines ,,Mahnmales´´.
Die dem Zuschauerraum zugewandte spitze Pfeilerkante verstärkte den Eindruck einer massiven Bedrohlichkeit…
Acht schmale Stahlrahmen, die als eigentliche Spielebenen fungierten, enthielten eingelassene Gitterroste als Trittebenen. Diese verursachten bei Bewegung, neben einer einhergehenden Sichtdurchlässigkeit, vor allem Lärm.
Gerade weil diese unerwünschten Eigenschaften unweigerlich zur raschen Auffindung geführt hätten, entschied ich mich Sinngemäß für das schwere, kühle und sichtdurchlässige Material, als symbolischen Akt einer Extremsituation.Bei entsprechender Lichtführung warfen die Roste gitterförmige Schatten auf die umliegende Betonstruktur des Keils. Damit beabsichtigte ich Assoziationen zu einem Kerker, in dem sich die Untergetauchten ja schon unweigerlich befanden. Es war vor allem eine große Herausforderung für die Schauspieler, diese schmalen, nicht gesicherten, frei schwebenden Ebenen in einem konsequent sehr düster gehaltenen Bühnenraum zu bespielen. Vor allem weil diese nur durch sehr enge, schluchtartige Feuerleitern und Stahlseile verbunden waren.
Die Bühnenarchitektur bedurfte eines nicht ganz ungefährlichen Balanceaktes in Schwindel erregender Höhe bei bis zu über 5 m hohen Spieletagen. Eine geradezu klaustrophobisch- bedrückend, auswegslose Atmosphäre zu schaffen, war mir bühnenbildtechnisch somit gelungen, vielleicht auch deshalb, weil mich das traurige Schicksal der Anne Frank so ganz besonders berührt hatte.